Die Jury hat wieder alles richtig gemacht

Ich war am letzten Wochenende in Herne auf dem Spielewahnsinn. Es war dieses Jahr eine sehr gute Veranstaltung, welche sich vor allem durch die vollen Hallen zeigte, welche gefühlt deutlich voller waren als letztes Jahr. Das Thema für alle mit denen ich mich vor Ort unterhalten habe, war aber natürlich die bevorstehende Nominierungsliste. Inzwischen ist diese auch draußen und sie ist zum größten Teil einfach alles, aber nicht überraschend. Ob das an der Stärke des Jahrgang liegt, oder an der Tatsache, dass das innere Gefühl einfach passt ist natürlich offen. Fakt ist aber, dass selbst, wenn die Jury das ein oder andere Spiel weggelassen hätte und stattdessen was anderes genommen hätte, wäre ich zufrieden gewesen. Und so ich hatte schon einem der mich in Herne fragte gesagt, wie die Überschrift zu dem Artikel heute lautet.

Und das macht sich an vielen Punkten fest. Pandemic Legacy auf die Empfehlung und dafür die Nominierung von 7 Wonders Duell? Wäre auch super. Karuba nur Empfohlen und dafür Die Holde Isolde. Oder selbst ein Tausch der Positionen von Krazy Wördz und Codenames. Das alles wären nicht meine Entscheidungen gewesen, aber sie wären auch richtig gewesen. Die Liste der Spiele die die Jury abgeliefert hat, ist rund und klasse.

Jeder der meint, das ein oder andere Spiel wäre nicht gut, hat da was missverstanden. Das sind alles gute Spiele. Sie funktionieren und machen Spaß. Jeder der meint, da fehlt was, hat auch recht. Da fehlen viele gute Spiele die auch Spaß machen. Was die Jury hier aber abgeliefert hat, ist weit davon entfernt schlecht zu sein. Mir persönlich fehlt Mysterium, aber ich weiß warum es gute Gründe gibt, dass es nicht drauf ist.

Aber so eine Liste kann nicht immer alles abdecken und jeden Geschmack zu 100% treffen. Und sie ist natürlich geprägt von den individuellen Meinungen der Mitglieder. Wichtige Highlights, und damit meine ich die echten Highlights, über die wir noch in Jahren reden, sind drauf. Welches Spiel am Ende gewinnt ist mir schon wieder egal. Nach meinem alten Kalkül der #DontForgetTheNominees werde ich immer alle Spiele des Jahrgangs loben können. Egal ob sie gewonnen haben. Erreicht die Jury ihr Ziel das Kulturgut Spiel zu fördern, mit diesen Spielen? Absolut!

Soll ich noch was zu den einzelnen Spielen sagen? Na dann mache ich das mal:

  • Imhotep: Da ist ich lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Bei dem Spiel rechne ich noch mit einigem Nachschub.
  • Karuba: Tolles Spiel, welches mehr kann als Take it Easy. Viel mehr.
  • Codenames: Habe ich dieses Jahr öfter gespielt als Netrunner. Und das spiele ich eigentlich echt oft.
  • Pandemie Legacy: 3 Daumen, nicht nur für alle Blinky-Fans.
  • T.I.M.E Stories: Ich hätte so Lust selber ein Szenario zu machen. Wenn ich mal zu viel Zeit habe. (Moment ich habe eine Zeitmaschine. Ich habe alle Zeit der Welt™)
  • Isle of Skye: So so toll. Freu mich schon auf die Erweiterung die längst fertig sein soll.
  • Leo muss zum Friseur: So genial. Und so wunderbar umgesetzt.
  • Stone Age Junior: In Wahrheit das zweite Kinderspiel aus München, aber das erste war bei weitem nicht so gut.
  • Mmm!: Wer hat es zuerst gewusst? Die Österreicher! Und die Friedberger müssen wieder die Schachtel anpassen.

NEWS: Jury Spiel des Jahres kauft Französischen Spielepreis As d’Or

Achtung – Dieser Beitrag erschien am 1. April 2016. Es war ein April-Scherz und als solches sollte es auch nicht als Real betrachtet werden. Danke.

Die Konsolidierung im Brettspielmarkt geht voran. Während in den letzten zwei Jahren vor allem Asmodee für eine Konzentration auf der Verlagsseite gesorgt hat, macht die neue Meldung nun eine Überraschung wett, mit der keiner gerechnet hat. Die Jury Spiel des Jahres e.V. hat bekanntgegeben den französischen Spielepreis “As d’Or” zu übernehmen.

„Der Preis hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und wir erhoffen uns durch die Synergie-Effekte eine besser Marktdurchdringung auch in Frankreich.“ sagte dazu Juryvorsitzender Tom Felber. Der “As d’Or” hat sich in seiner fast 30jährigen Geschichte zu dem wichtigsten Preis in Frankreich gesteigert. “Es ist fast natürlich dieses Wissen zu ballen und so den deutschen Spiel des Jahres Preis auch besser nach Frankreich tragen zu können.

„Durch die Kombination mit der Expertise der Deutschsprachigen Kollegen erhoffen wir uns auch eine Bekanntheit im Deutschsprachigen Raum,“ sagte dazu Monsieur Phal. “Während wir eh dieselben Spiele wählen wie die Deutsche Jury, kann diese sich mehr auf das Marketing der Preise konzentrieren.”

Experten schätzen dass dies nur ein weiterer Schritt ist in einer Reihe von Konsolidationen im Spielbereich ist und in den nächsten Monaten und Jahren auch der Origins-Award in den USA, der “Jogi do Ano” in Portugal, Spiel der Spiele in Österreich, “Gar Roku” in Polen, “Premio Archipele” in Italien, “Golden Ludo” in Belgien und den Niederlande Spellenprijs in den Niederlanden von der Jury gekauft werden könnten. Es ist der einzige Preis mit dem finanziellen Polster alle diese anderen Preise zu kaufen.

Manche vermuten auch, das der Versuch dahinter steht groß genug zu werden, um nicht von Asmodee geschluckt zu werden.

Mein Spiel des Monats – März 2016

Der März ist ja viel schneller vergangen als mir lieb ist. Und ich habe auch noch nie soviel Spiele gespielt wie im März. Und auch wenn es fast nicht zu glauben ist, ein Spiel entwickelt sich dabei zu einem Dauerbrenner, der auch sehr sicher über den Jahrgang hinaus lange bei uns auf den Tisch kommen wird.

Mein Preisträger im März ist Isle of Skye

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Die kurze Spielzeit verbunden mit der Tatsache, dass es sich auch zu fünft sehr gut spielt sind schon alleine zwei feste Punkte. Die Vielfalt und bei jedem Spiel auf andere Sachen zu achten, Verbunden mit der Tatsache sich immer zu ärgern, egal ob man hinten dran ist (Das hole ich nie auf), oder vorne weg (Arg, ihr bekommt alle so viel Geld). Die Emotionen am Tisch sind deutlich höher, als ein Auktion oder Plättchenspiel alleine dies geschafft hätte. Zusammen mit der Tatsache, das solche Mischungen normalerweise eher beide Gruppen abstoßen, aber sie hier verbinden macht dieses Kleinod zu einem Muss in jeder Spielsammlung.

Und hier der Link zum Originalartikel

Guns & Steel – Stahlharte Profis im Kartengewand

Meine Erfahrung mit diesem Spiel begann, als mit Guido erzählte, das das Speil durchaus was hat. Also bei dem Verlag nachgefragt wie es aussieht und nach dem Fiasko eines Poststreiks und der sinnlosen hin- und her-versenderei während dieser Zeit, war der Taiwanese war so lieb und hatte mir ein Exemplar des Spiel  in Essen übergeben. Ich wollte es länger spielen und war sehr angetan ein scheinbar vollwertiges Zivilisationsspiel in der kleinen Schachtel vorzufinden. Aber so vollwertig war es dann doch nicht. Was da in 55 Karten gepresst wurde ist schon genial. Aber es trägt leider nicht lange.

Die Spieler starten alle mit der gleichen Hand. Jede Karte hat einen Effekt auf der Vorderseite und eine Ressource auf ihrer Rückseite. Diese Ressourcen entwicklen sich im laufe des Spiel vorwärts. Eine Karte wird verdeckt gelegt als Ressource, und eine offen gespielt für ihren Effekt. Wer genug Ressourcen hat, kann diese nutzen um Karten aus der Mitte zu kaufen. Die gekaufte Karte wird offen vor ihm ausgelegt und die Ressourcen zum bezahlen werden dann aufgedeckt und sind verbraucht. Von der Mechanik her ist das schon echt cool. Wer keine Karten mehr auf der Hand hat, muss alle seine Karten wieder auf die Hand nehmen.

Je mehr Karten man kauft, um so länger muss man mit ihnen durchhalten. Der Spagat ist also, nicht zu viele Karten zu kaufen, und dann möglichst viele Ressourcen zu generieren, um bestimmte Ressourcen schneller wieder auf den Tisch zu bekommen, damit das nicht zu lange dauert. Von der Mechanik ist das also sehr schön geworden und ist für mich das Highlight. Was nicht so schön ist, ist das Verhältnis der Karten mit ihren Effekten.Etliche Karten haben erstmal langweilige Effekte, was aber nicht so schlimm wäre. Was aber gar nicht geht ist das aggressive Element.

Natürlich ist ein Zivilisationsspiel nicht vollständig, wenn es nicht auch einen Militärmechanismus hat. Aber dieser hier hat uns gar nicht zugesagt. Da die Stärken voll auszählbar sind, und da helfen auch keine Instant-Truppen, wird schnell deutlich, wer damit die anderen am meisten ärgern kann. Aber mehr ist es nicht außer ein Ärgern. Das heißt das ist es schon, denn auf diese Weise bekomme ich auch bei vielen Karten schnell welche auf den Tisch, weil ich diese zusätzliche ausspielen kann. Aber sie bringen einen im Spiel nicht voran und wer so einen Schlag gewinnt ist für alle die Aufmerksam sind, dennoch komplett berechenbar. Es verlangsamt also nur alle und nervt. Karten müssen erschöpft werden, oder alles wieder auf die Hand, aber das Spiel geht deswegen nicht weiter und Siegpunkte gibt es auch keine.

Ohne diese Option, wäre es aber nicht so interaktiv. Jeder würde vor sich her spielen und irgendwann hätte einer gewonnen. Was also fehlt ist eine andere Form der Interaktivität und vielleicht auch diese als eine andere Form des Militärs. Dann wäre das Spiel schon rund. Hier ist der Verlag und der Autor nochmals gefordert. Da geht deutlich mehr. Denn der Grundmechanismus ist schon echt gut.

Autor: Jesse Li
Illustrator: YLAR, mango
Verlag: Moaideas Game Design, 2015
Spielerzahl: 2-4 Kennerspieler
Links: Luding / BoardGameGeek

7 Wonders Duell – Seilziehen an drei Enden

Wenn ein Spiel für seinen Jahrgang sehr prägend war, wie Catan es im Jahre 1995 war, dann war dass 7 Wonders im Jahrgang 2010/2011. Auf der Messe waren die wenigen Tische von Morgens um 8:30 bis spät zum Messeende nur voll. Das Spiel ging dabei trotz sieben Spielern am Tisch sehr schnell und hatte es so bei der Fairplay Scoutwertung auf immerhin 180 Wertungen geschafft. Ich glaube, dass ist bei heute ungeschalgenener Rekord. Das Spiel war in so vielen Bereichen perfekt, das es verdient den ersten Kennerpsielpreis gewonnen hat.

Allerdings gibt es eine Gruppe Spieler die mit dem Spiel nicht glücklich waren. Die Leute die immer nur zu zweit spielen. So gibt es im Spiel zwar eine 2-Personen-Spiel-Regel, aber viele empfanden diese als Krücke und weit entfernt davon elegant zu sein. Das dann irgendwann ein reines 2er-Spiel kommt war vermutlich absehbar für mich aber überhaupt nicht auf dem Radar, bis der Autor die ersten Infos dazu auf Twitter mitteilte.

Der Clou an 7 Wonders ist ja der Hauptmechanismus mit dem Draften der Karten. etwas was man zu zweit als nicht so spannend betrachten kann, zumindest bis Tides of Times daher kam. Der das nicht nur spannend macht, sondern auch überraschend gut funktioniert. Bei 7 Wonders Duell wurde auch ein Draft-Mechanisum verwendet, jedoch ein anderer der auch sehr gut zu zweit funktioniert. Die Karten liegen alle schon aus, wobei ungefähr die Hälfte noch verdeckt ist und einige so verdeckt sind, dass ich sie erst nehmen kann, wenn ich berührende Karten genommen habe. Mit jeder Karte die ich nehme, versuche ich meinen Gegner in eine Wahl zu drängen. Die Kommunikation findet durch eine offene Wahl statt. Das macht Freude.

Aber 7 Wonders Duell funktioniert vor allem auch deswegen so gut, weil es sowohl anders ist, aber auch gleichzeitig so gleich. Der Wiedererkennungswert ist unfassbar hoch. Wir haben das Militär, die Wissenschaft, die Bauwerke, die Märkte, die Ressourcen, die Wunder. Alles was wir kennen ist da. Wer 7 Wonders kennet ist sofort im Spiel drin. Die Regel springen geradezu über. Und doch ist es anders, frisch, neu. Militär hat Einfluß, denn ich kann es nur ignorieren, wenn mein Mitspieler das auch tut. Wird er aggressiv, muss ich verhindern, dass er es schafft mich fertig zu machen, bevor das Spiel regulär vorbei ist. Aber auch friedliche Lösungen wie vielseitige Wissenschaft können mir einen frühen Gewinn bringen. Große Varianz durch viele Wunder führt zu dem Bedürfnis es beim nächsten Mal noch besser zu machen, selbst falls ich gewinne. Und zu zweit ist man immer dabei.

Letztes Jahr hatten die 2er-Spiele einen großen Pusch mit Spielen wie Patchwork und Arler Erde. Dieses Jahr wurden ein paar echte Perlen nachgelegt mit Tides of Time und 7 Wonders Duell. Es muss nicht viele gute Spiele geben, aber die guten sollte man gespielt haben. Und 7 Wonders Duell ist daher ein Pflicht-Spiel in diesem Jahr.

Daumen Hoch 1Daumen Hoch 2

Autor: Antoine Bauza, Bruno Cathala
Illustrator: Miguel Coimbra
Verlag: Repos Production, 2015
Vertrieb: Asmodee
Spielerzahl: 2 Kennerspieler
Links: Repos Production / AsmodeeLuding / BoardGameGeek