Von Kennerfamilien und Gesellschaftscodes

Heute früh war ich mir noch sicher was gewinnt. Eigentlich war ich mir aber nur in der Roten Kategorie schon von Anfang an sicher. Codenames hat verdient gewonnen. Kein Spiel habe ich so oft auf den Tisch gehabt und so oft mit soviel Freude gespielt. Kein Spiel habe ich so oft variiert nur um mir einen zusätzlich Kick zu holen, und es nochmals zu spielen.

In der Kennergruppe hielt ich die ganze Zeit alles offen und es gab und gibt so viele Gründe für jedes und gegen jedes der 3 Spiele, gewünscht hätte ich es dem Wunderdesign Pandemic Legacy. Gegönnt hätte ich es jedem der drei Spiele. Also lasst uns die Entscheidung der Jury aus meiner Sicht auseinandernehmen. Und das geht in diesem Fall vermutlich wirklich nur über beide Preise hinweg.

Mein Orakel von Nürnberg, der liebe Frank Jäger von Ludofact, hatte es Ende Januar vorhergesagt. Codenames macht es. Er lag bisher jedes Jahr richtig. Oder zumindest in den Jahren in denen ich ihn gefragt habe. Das waren jetzt immerhin sogar 3 Jahre am Stück. Und dann hatte er aber vor ein paar Wochen Kalte Füße bekommen. Er schwenkte auf Karuba um. Vor allem, weil Codenames kein Familienspiel sei. Eine Begründung die ich eigentlich nicht stehen lassen mag. Und vor allem eine, die auch vor 3 Jahren bei Hanabi hätte kommen können. Da wurde es nur überschattet, das die Schachtel so klein ist, weil Äußerlichkeiten nunmal auffälliger sind als die inneren Werte. Warum sollte es da Spielen besser gehen als Menschen. Hanabi hat gewonnen und allen bewiesen, das es auch in der kleinen Schachtel möglich ist, wenn das Spiel gut ist. Die Diskussion ist seitdem erledigt.

Hanabi ist also mein Argument das Familienpreis-Argument zu kontern. So wie Targi oft eine Antwort ist, wenn es heißt, die Jury würde auch nie ein 2er-Spiel nominieren. in Wahrheit ist die Jury aber offen für alles. Und wenn es etwas gibt, dass die Jury nie machen würde, dann gebt ihr nur das richtige Spiel das saugut ist, und sie brechen diese Aussage. Solche Konter sind auch möglich in der Kennerkategorie. So ein Pandemic Legacy oder T.I.M.E Stories kann nicht gewinnen, weil das Spiel danach verbraucht ist? Und was war mit Sherlock Homes Criminal-Cabinet? Ja klar, das ist schon über 30 Jahre her. Aber schon damals war der damaligen Jury egal. Und solche Argumente waren damals heftiger, als nur ein Bruchteil der Spielemenge erschien, als die heute so rauskommen. Damals wusste man wirklich nicht, was man danach spielen soll. Und nominierte gab es auch noch nicht.

Tom Felber hatte heute eine gefühlt sehr kurze Rede gehalten, aber er ging, wie ich finde, sehr gut auf diese Problematik ein. Die Jury will ein Spiel für Familien und Gesellschaft. Diese Gruppen stehen gleichberechtigt nebeneinander und nicht in irgendeiner Reihenfolge. Kaufen es wirklich in erster Linie nur Familien, die das dann unterm Weihnachtsbaum spielen? Sind die alle doof? Wie konnte El Grande nur so ein Erfolg werden? Fakt ist, das es Jugendclubs genauso ansehen wie Schulen oder auch viele andere Gruppen. Menschen die eher zu einem Activity greifen, als zu einem Schach. Die sind eine wunderbare Zielgruppe für Codenames.

In einem perfekten Jahrgang sind diese beiden Gruppen also homogen und können sich an einem perfekten Spiel erfreuen. Solche Spiele hatten wir schon in etlicher Menge, Catan als Vorreiter vorneweg. Dies ist aber nicht solch ein Jahrgang. Dies ist ein Jahrgang, in dem die Leute Argumente um alle Nominierten geführt haben. Ein Jahrgang wo die größte Innovation nicht für jeden ist. Ein Jahrgang wo es weniger darum geht, was eigentlich auf der Liste fehlt, sondern deutlich mehr darum, warum dieses oder jenes Spiel eigentlich nicht gewinnen sollte, obwohl es die Person mit diesen Argumenten selber cool findet. Das ist perplex und ein Zeichen für die Art und Weise wie immer mehr Leute versuchen die Sache zu sehr zu hinterdenken. Eine Art Real-Life Codenames. Doppeldeutigkeit an allen Stellen. Ich mache es mir da einfacher. Ich interpretiere lieber nachher und kann so auf das Ergebnis zeigen und sagen es past zu meiner Aussage.

Und da fangen wir mit dem Kennerpreis an. Ich hätte mir Pandemie Legacy so sehr gewünscht, das ich mir einfach zu sicher war. Zusammen mit T.I.M.E Stories bildet es die Flugspitze der Innovationen im Jahrgang. Ein Jahrgang der endlich mal wieder Innovationen aufzeigt. Ein Umstand der von vielen immer bemängelt wurde. Gefühlt, vor allem von denen, die aber diese beiden Spiele außen vor lassen. Natürlich haben diese Spiele auch ein Problem. Wenn die Jury sich von Ende Mai bis zur gestrigen Wahl zusammensetzt, dann spielen sie die sechs Spiele so oft sie können. Aber wie oft spielt man noch Spiele die man durch hat. Bei T.I.M.E Stories kann man wenigstens die Reaktionen der anderen einfangen, wenn man sie beobachtet. Bei Pandemic Legacy will man vermutlich nicht nochmal alle 12 Monate in mehreren Gruppen beobachten. Da bleibt eine gute Erinnerung und das war es. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der dritte. Isle of Skye. Und da reden wir von einem Spiel das schon vor 12 Monaten rauskam. Wie viele Spiele sind so lange in Erinnerung geblieben.

Und da wurde es mir bewusst. Die Familie bekommt dieses Jahr den Kennerpreis mit Isle of Sky. Wenn man nicht beide verbinden kann, warum dann nicht einen Preis für jede der Gruppen. Und in dem Moment schauten Peat und ich uns an und wir waren uns dann absolut sicher, dass Codenames gewinnt. Codenames ist das Speil für die Gesellschaft. Das Spiel das nicht nur der kleinste gemeinsame Nenner ist, sondern das Spiel, das anerkennt, das es auch andere Gruppen gibt die ein tolles Spiel erfahren müssen. und Codenames ist das Spiel, welches dieses transportiert wie kein anderes. Vermutlich gibt es kaum etwas was es so einfach macht.

Auf der Berlin-Con hatte Wieland Herold noch erwähnt, das er beim Zuschauen in einer Runde seine Entscheidung innerlich gefällt hatte, weil ein Nichtspieler eingestiegen war, er hatte nur zugesehen und fing auf einmal an mitzuspielen. Ich vermute, das es Codenames war. Dieselbe Begründung hätte es auch vor 2 Jahren für Concept geben können. Und dennoch ist es Camel Up verdient geworden. Es war alles offen. Aber nach Isle of Skye war ich mir sicher.

Ein wohlverdiente Gratulation an alle Gewinner und Nominierten. Lookout hat seinen ersten Pöppel seit Agricola (damals noch Sonderpreis) und Pfister und Pelikan sind die ersten Autoren die 2 Kennerpöppel gewonnen haben. Und erst die zweiten die ein Double hinbekommen haben nach Kramer und Kiesling in 1999 und 2000 für Tikal und Torres. Ich freue mich für Klemens Franz, der inzwischen so oft auf der Bühne als Nominierter Stand, dass ein Preis endlich mal verdient auch für seine Leistung reinkam. Vlaada Chvátil als Ausnahmetalent hat jetzt auch einen Pöppel für ein Spiel das so gar nicht nach seiner Handschrift aussieht, aber welches so genial ist, das es zeigt, die einfachsten Spiele sind oft die besten.

Die Jury hat einiges richtig gemacht und Ich wünsche allen sechs Spielen eine lange Lebenszeit und noch einige Erweiterungen. Ja, auch für Pandemic Legacy wünsche ich mir Erweiterungen. Und vor allem hoffe ich das alle die für die Massenmedien schreiben, die nicht nur die Gewinner vorstellen sollten und die Nominierten einfach nur aufzählen, sondern das sie sich die Mühe machen alle sechs Spiele aufzuführen und deutlich machen das es hier ein rundes Angebot ist. Nicht jedes Spiel muss jedem gefallen, und daher sollte auch jeder die Hilfe an die Hand geben, welches Spiel vielleicht eher für sie oder ihn geeignet ist. Und mögen die Verkäufer draußen im Einzelhandel dass auch hinbekommen. Immer alle sechs Spiele zu haben und den Kunden zu beraten. Da muss man nicht alle Spiele des Jahrgangs kennen. Es reichen diese sechs Spiele und mit ein paar Fragen an den Kunden könnten diese viel zufriedener sein und mit dem richtigen Spiel nach Hause gehen. Auf das sie begeistert sind und noch mehr Spielen. Die Jury hat ihren Teil getan. Der Rest muss nun mitmachen.

Nachtrag:
Ich wurde darauf hingewiesen, dass es auch sehr gute Spiele auf der Empfehlungsliste gibt. Das ist natürlich wahr und die sollen nicht unterschlagen werden. Denn diese bilden ja das abgerundete Angebot damit jeder Spieler was findet. Und ich glaube, wer wirklich in einem Spieleladen arbeitet, sollte auch die Spiele vorrätig haben und erklären können.

Spielempfehlungen für den Sommerurlaubsabend

Angefeuert durch Christoph seine Empfehlungen dachte ich mir, es kann nicht schaden auch mal aufzuschreiben, was in meinen Augen in einen guten Urlaubskoffer passt. Ich hoffe es sind nicht schon zu viele verreisst, aber die meisten Bundesländer haben ja noch keine Ferien.

Um aber natürlich alles anders zu machen möchte ich nur vier Empfehlungen geben. Also eigentlich fünf. Oder besser vier mal fünf. Natürlich gibt es weite mehr gute Spiele als diese 20, aber das sind meine Empfehlungen für dieses Jahr.

Ich gliedere das also in Kategorien.

  1. Für Pärchen, die eh nur zu zweit spielen
  2. Für Familien oder 2 Pärchen die gemeinsam Urlaub machen
    1. und dabei lieber kooperativ oder
    2. komparativ spielen wollen.
  3. Schließlich für Großfamilien oder Leute die einfach immer andere ansprechen müssen, damit möglichst viele mit ihnen spielen.

Ich habe mich allerdings ganz bewusst auf auf richtig kleine Spielschachteln beschränkt. Die meisten Koffer sind eh schon sehr voll und wer kleine Spielschachteln hat, nimmt vielleicht noch ein Spiel mehr mit um so die Auswahl zu vergrößern. Ich gebe noch einen zusätzlich Tipp für alle die damit kein Problem haben, als Spiel mit großer Schachtel.

Urlaub zu zweit

Zu zweit ist immer gut verreisen. Die Zahl der Paare ist nicht zu unterschätzen. Und zum Glück erkennen auch die Verlage den Bedarf an guten 2er Spiele wieder. Es boomt und da kommt so einiges spannendes raus.

7 Wonders Duell (Repos Production)
Der 2-Spieler Hit des Jahres. Was gibt es nicht alles tolles über 7 Wonders zu sagen, und eigentlich trifft alles auch auf 7 Wonders Duell zu, wenn nicht sogar noch mehr. Schnelles Draften, viele Entscheidungen und ein ganz dichtes Gefühl mit viel Variabilität. Auch von der Jury empfohlen.

Tides of Time (Pegasus Spiele)
Ein Mikrospiel. Nur 18 Karten und 4 Marker. Das ist schon fast weniger als Love Letter, welches ein paar Marker mehr hatte. Schnelles Daten mit vielen Merkoptionen. Wer seine Signalfähigkeiten sowohl im Geben als auch im Nehmen trainieren will findet hier eine echte Perle die keine 10 Euro kostet.

Patchwork (Lookout Spiele)
Eigentlich schon der Klassiker, auch wenn das Spiel noch gar nicht so alt ist. Was Uwe Rosenberg hier an einem schnellen und einfachen Spiel abgeliefert hat, holt auch meinen Sohn vom Gameboy weg. Ich gebe zu, dass das Tetris-Thema natürlich dabei hilft, aber der einfache Zugang und immensen Möglichkeiten hier ein echtes Meisterwerk abgeben.

Targi (Kosmos)
Und natürlich darf das bisher einzige nominierte 2er-Spiel nicht fehlen. Und gerade im Hinblick auf die kommende Erweiterung, sollten die eigenen Fähigkeiten bei Targi mal wieder aufgelockert und vertieft werden. Und gerade bei der Erweiterung bin ich echt neugierig was mich erwartet. Daher ein Muss.

An der Schachtelgröße gescheitert: Arler Erde (Feuerland)
Wer Angst hat in einem Regengebiet zu enden und weiß einen großen Tisch zu haben, sollte Arler Erde mitnehmen. Viel Material und viel Spiel. Was andere für 18 Spieler brauchen reicht bei Herrn Rosenberg auch mal nur für 2. Keine Ahnung wie viel Material bei 7 Spielern es geworden wäre, aber das muss es nicht sein um ein gutes Spiel zu sein.

Urlaub zu viert mit Kooperativen Spielen

Port Royal mit Erweiterung (Pegasus Spiele)
Gleich mein erster Tipp ist eigentlich kein Kooperatives Spiel, aber die Kooperative Variante ist in meinen Augen die Beste des Spiels. Zusammen diskutieren, ob das Risiko für eine weitere Karte gut genug ist, oder ob da lieber langsam gelaufen werden soll, zu entscheiden, welche Aufgabe von wem gelöst werden soll, da gibt es sehr viel zu schauen und zu diskutieren. Gerade für Risikoleute die ein Push Your Luck-Spiel brauchen.

The Game (NSV)
Wenn ich ein Spiel häufiger als alles andere in den letzten 2 Jahren gespielt habe, bevor Codenames rauskam, dann war es the Game. als nominierter für das Speil des Jahres, hätte es in meinen Augen auch verdient den Titel gewinnen dürfen. Mit einer sehr variablen Spielerzahl und dem Wunsch viel zu diskutieren, was noch als knapp ist, oder was schon ein zu großer Sprung ist, kommen immer wieder Emotionen am Tisch auf. Und es ist echt klein.

Hanabi (AbacusSpiele)
Wenn wir schon von einem kleinen Spiel reden, dann darf das Speil des Jahres von 2013 nicht fehlen. Hanabi ist das Spiel das als erstes ohne Königsmacher auskam. Das Spiel das in jeder Gruppe anders funktioniert, und das Spiel das mit seinen Spielern wächst. Es macht einfach nur Spaß. Wir haben eigentlich nur noch die Rentnerversion mit den Riesenkarten auf dem Tisch, aber für den Urlaub ist die kleine Schachtel natürlich perfekt.

An der Schachtelgröße gescheitert: Pandemie (Z-Man Games)
Die Mutter der sehr guten Kooperativen Spiele, welche einen Run auf dieses System erschaffen hat. Mit den vielen Erweiterungsmodulen und etlichen Szenarien kann ich dies weiterhin nur empfehlen. Und wer es noch cnith gespielt hat, kann natürlich auch Pandemic Legacy mitnehmen und die gesamte Kampagne im Urlaub durchspielen. 1 bis 2 Spiele sollten jeden Abend drin sein und der 2-wöchgie Urlaub ist komplett gerettet.

Urlaub zu vier mit Kompetetiven Spielen

Skull King (Schmidt Spiele)
Ich muss Zügen, ich fand Wizard immer gut, aber irgendwie gefällt mir Skull King dann doch besser. Oft aus Gründen die andere dazu bringen das Speil nicht zu mögen. Es hat weniges Planbarkeit. Ich will mir unsicher sein, ob ich es durchbekomme. Ich möchte, dass keiner das richtig mitzählen kann und ich möchte dass spannende Runden aufkommen, weil nur 2 Leute einen Stich haben wollen, aber 6 Karten das natürlich nicht perfekt für alle zulassen.

Abluxxen (Ravensburger)
Wie schade dass die Jury dieses Spiel ignoriert hat. Ein perfektes schnelles Spiel, wo nicht gestochen wird, wo nicht einfach nur gesammelt wird, sondern wo es Angebote gibt und es immer wieder nur geklaut wird. Ein wundervolles Spiel mit deutlich mehr Tiefe als die meisten erkennen, vor allem wenn dann doch immer wieder dieselben am Tisch gewinnen.

Beasty Bar (Zoch)
Schöne große Karten und schnelle Regeln mit vielen Optionen. Es ist nicht immer leicht in die Bar zu kommen, aber die Schadenfreude mit der richtigen Karte im richtigen Moment sich vorzudrängeln und die Mitspieler nach hinten zu verdrängen ist einfach immer wieder gut. Vor allem da die Schlange wie bei RoboRally das Brett immer wieder selber agiert. Schnell und knackig.

Willkommen im Dungeon (Iello)
Oh was gibt es da alles schönes an Push Your Luck, aber selten kommt ein Spiel mit so wenig Material aus. Und vor allem weil nicht jeder alleine für sich spielt, sondern wir gemeinsam daran spielen, wer von uns sich mehr zutraut. Wie eine Versteigerung. Gerade einmal 16 Karten und ein paar Plättchen für den Helden. Wir schauen was in den Dungeon uns erwartet und welche Ausrüstung dafür überhaupt benötigt wird. Aber je mehr wir daran drehen wollen, desto eher müssen wir selber rein.

An der Schachtelgröße gescheitert: 95% des Spieleschranks
Das sit halt leider wahr. Wer Spiele hat, weiß das eigentlich fast alles zu viert und gegeneinander ist. Überlegt euch am Besten was ihr schon lange nicht mehr gespielt habt, und deswegen unbedingt mal wieder gespielt werden müsste.

Urlaub mit 6 oder mehr Leuten

Wer mit vielen Leuten unterwegs ist und dabei locker mit 6 Lauten am Tisch sitzt hat schon deutlich weniger Spiele zur Auswahl. Deutlich weniger als einem lieb ist. Aber hier gibt es natürlich dennoch Optionen die beleuchtet werden sollen.

Krazy Wördz (fishtank)
Was kann man sich über das Material beschweren, und ich bin da ganz vorne, der lieber schöne Holzsteine für die Buchstaben hätte und größere Karten. Aber so passt das Spiel natürlich locker ins Urlaubsgepäck und wer gerne Wörter erfindet so wie es Woddy Allen in Annie Hall (dt: Der Stadtneurotiker) getan hat, der kann hier gar nichts falsch machen.

Codenames (CGE)
Eigentlich gehört dieses Spiel in alle Kategorien. Es kann mit jeder Spielerzahl ab 2 gespielt werden und auch zu vier kooperativ. Aber eigentlich wäre ich auch blöd das Beste Spiel des Jahres nicht zu empfehlen. Wörter assoziieren sollte echt nicht schwer sein. Und wer Platz im Koffer sparen will lädt sich die App auf sein Handy und nimmt nur die Plättchen mit und legt dann halt im Urlaub 25 Gegenstände aus dem Ferienhaus auf den Tisch.

Time’s Up (Repos Production)
Ausführlich erklären, Wortkarg reden und am Ende nur etwas Pantomime. Dreimal durch die Artengehen und das ganze auch in Spielerzahlen mit 12 oder mehr zu genießen. Wer hat dieses Spiel noch nicht gespielt? Und in einem Urlaub mit vielen Leuten funktioniert das auch immer noch. Ein echter Klassiker.

Der Widerstand (Indie Boards & Cards)
Und schließlich ein Spiel welches viel Redegeschick braucht. Andere Spieler anschuldigen, immer wieder durchrechnen wer versucht uns zu verraten und eigentlich nur ein paar Aufträge durchzubekommen. Der Widerstand bietet fünf Packende Runden für Freunde von Werwolf-Spielen, aber ohne das ein Spieler ausscheidet. Für mich das bessere Spiel.

An der Schachtelgröße gescheitert: Mysterium (Libellud)
Was Codenames mit Wärtern macht, macht Mysterium mit Bildern. Viele Assoziationen wecken und dabei einen schönen Krimi lösen. Das Spiel kann immer noch viel, Aber die Hellsichtmarker, die könnt ihr Zuhause lassen.

Schlusswort

Aber ich bin mir sicher, das unsere Leser und Hörer hier auch noch Tipps haben, die sie auf jeden Fall jedem ans Herz legen wollen. Lasst es uns wissen. Die unfassbare Übereinstimmung von einigen Spielen hier mit einigen Spielen auf Christophs Liste zeigt mir aber auch dass da ein paar echt gute Spiele dabei sind, welche vermutlich auf den wenigsten Listen fehlen sollten.

Die Blase ist geplatzt

Als ich heute früh aufstand ging ich fest davon aus, das Leo muss zum Friseur Kinderspiel des Jahres wird. Ich war davon fest überzeugt. Ich gehöre zu den Menschen die gerne eine Meinung haben, wenn sie ein haben und diese auch gerne im Notfall ungefragt, rausposaunt. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich Stone Age Junior und Mmm! nicht schlecht finde, ganz im Gegenteil. Es gehört ja einiges dazu nominiert zu werden und bin bei diesen beiden Spiele auch gerne dabei, was ich nicht über alle Kinderspiele sagen kann, die in den letzen Jahren nominiert waren.

Aber mein Favorit hatte eine Riesenmähne. Und es war nicht nur mein Favorit. Michael Schmit von der Spielwiese ist der Meinung es ist das beste Spiel des Jahres. Ulrich Blum ist davon überzeugt, das nichts dadrüber geht. Peter Eggert der neben mir saß heute war sehr glücklich ein Kind mit einem Fuchs auf dem Shirt zu sehen und das er Pate für das coole Leo-Spiel ist. Omen und so. Selbst Guido hatte gedacht, dass es gewinnen würde, nicht das er mitbestimmen konnte.

Aber das sind alles Erwachsene. Ich muss zugeben, ich habe bisher zwei Runden Leo mit Kindern gespielt und etwa 20 mit Erwachsenen. Wir sind alles Spieler, Verleger, Rezensenten für Erwachsenenspiele. Wir haben unseren Erwachsenenblick drauf und gestehen diesem Spiel zu auch für Kinder zu sein. Joe hatte es in der Sendung gesagt, gegen Codenames hätte man vermutlich keine Chance und ist froh so in der blauen Kategorie eine Chance zu haben. Aber hätte es nicht vielleicht doch in die Rote Kategorie gehört? Trotz der Altersangabe?

Die Erleuchtung kam mir als ich heute mit den Kindern und ihrer Lehrerin geredet habe. Sie erklärte ganz unverblümt, das die meisten in der Klasse Stone Age Junior am besten fanden. Es sind Kinder. Und auch wenn diese alle 7 oder 8 Jahre alt waren, und sie Leo total toll fanden, war ihnen das zu viel Memory. Ich muss gestehen, dass ich echt nicht viel über Kinderspiele weiß, auch wenn ich mir versuche mir mehr anzulegen und wir durch unser Kindersendungen auch etwas das Thema zu beleuchten. Aber der heutige Tag hat mal wieder deutlich mehr als alles andere deutlich gemacht, dass nicht das persönliche Gefühl zählt, sondern die Kinder da draußen. Es muss mit ihnen gespielt werden. Ein Mantra, das die Kinderspieljuroren und -jurorinnen jedes Jahr von neuem vorbeten, und was einem vielleicht erst selber klar werden muss, wie das mit der Herdplatte.

Spannende Anekdote dazu: Alle Redakteure tippen immer auf die Spiele, die die Jury vielleicht nominieren wird. Dort war zwar Leo am häufigsten in der Kinderkategorie erwähnt worden, aber von nicht einem einzigen Kinderspielredakteur bzw -redakteurin. Die machen ihren Job und können das vermutlich besser einschätzen als die anderen Kollegen und Kolleginnen.

Aber wo wird so ein Spiel am besten geortet? Ein Spiel, welches zu hoch für einen Kinderspielpreis ist und zu niedrig für den Familienspielpreis? Ein Frage die nicht nur nicht einfach zu beantworten ist, sondern auch die Problematik deutlich aufwirft, ob ein Verlag es sich leisten kann solche Spiele zu machen? Hoffen wir das der finanzielle Erfolg hier ein positives Wort spricht und wir weiterhin gute Spiele bekommen, auch wenn sie sich nicht so einfach in eine Schablone pressen lassen.

Einen dicken Glückwunsch an den Autor Marco Teubner, den Illustrator Michael Menzel und das gesamte Team von Hans im Glück für den Gewinn mit Stone Age Junior! Mal sehen, wann ihr nun noch den Kennerspielpreis gewinnt…

Die Jury hat wieder alles richtig gemacht

Ich war am letzten Wochenende in Herne auf dem Spielewahnsinn. Es war dieses Jahr eine sehr gute Veranstaltung, welche sich vor allem durch die vollen Hallen zeigte, welche gefühlt deutlich voller waren als letztes Jahr. Das Thema für alle mit denen ich mich vor Ort unterhalten habe, war aber natürlich die bevorstehende Nominierungsliste. Inzwischen ist diese auch draußen und sie ist zum größten Teil einfach alles, aber nicht überraschend. Ob das an der Stärke des Jahrgang liegt, oder an der Tatsache, dass das innere Gefühl einfach passt ist natürlich offen. Fakt ist aber, dass selbst, wenn die Jury das ein oder andere Spiel weggelassen hätte und stattdessen was anderes genommen hätte, wäre ich zufrieden gewesen. Und so ich hatte schon einem der mich in Herne fragte gesagt, wie die Überschrift zu dem Artikel heute lautet.

Und das macht sich an vielen Punkten fest. Pandemic Legacy auf die Empfehlung und dafür die Nominierung von 7 Wonders Duell? Wäre auch super. Karuba nur Empfohlen und dafür Die Holde Isolde. Oder selbst ein Tausch der Positionen von Krazy Wördz und Codenames. Das alles wären nicht meine Entscheidungen gewesen, aber sie wären auch richtig gewesen. Die Liste der Spiele die die Jury abgeliefert hat, ist rund und klasse.

Jeder der meint, das ein oder andere Spiel wäre nicht gut, hat da was missverstanden. Das sind alles gute Spiele. Sie funktionieren und machen Spaß. Jeder der meint, da fehlt was, hat auch recht. Da fehlen viele gute Spiele die auch Spaß machen. Was die Jury hier aber abgeliefert hat, ist weit davon entfernt schlecht zu sein. Mir persönlich fehlt Mysterium, aber ich weiß warum es gute Gründe gibt, dass es nicht drauf ist.

Aber so eine Liste kann nicht immer alles abdecken und jeden Geschmack zu 100% treffen. Und sie ist natürlich geprägt von den individuellen Meinungen der Mitglieder. Wichtige Highlights, und damit meine ich die echten Highlights, über die wir noch in Jahren reden, sind drauf. Welches Spiel am Ende gewinnt ist mir schon wieder egal. Nach meinem alten Kalkül der #DontForgetTheNominees werde ich immer alle Spiele des Jahrgangs loben können. Egal ob sie gewonnen haben. Erreicht die Jury ihr Ziel das Kulturgut Spiel zu fördern, mit diesen Spielen? Absolut!

Soll ich noch was zu den einzelnen Spielen sagen? Na dann mache ich das mal:

  • Imhotep: Da ist ich lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Bei dem Spiel rechne ich noch mit einigem Nachschub.
  • Karuba: Tolles Spiel, welches mehr kann als Take it Easy. Viel mehr.
  • Codenames: Habe ich dieses Jahr öfter gespielt als Netrunner. Und das spiele ich eigentlich echt oft.
  • Pandemie Legacy: 3 Daumen, nicht nur für alle Blinky-Fans.
  • T.I.M.E Stories: Ich hätte so Lust selber ein Szenario zu machen. Wenn ich mal zu viel Zeit habe. (Moment ich habe eine Zeitmaschine. Ich habe alle Zeit der Welt™)
  • Isle of Skye: So so toll. Freu mich schon auf die Erweiterung die längst fertig sein soll.
  • Leo muss zum Friseur: So genial. Und so wunderbar umgesetzt.
  • Stone Age Junior: In Wahrheit das zweite Kinderspiel aus München, aber das erste war bei weitem nicht so gut.
  • Mmm!: Wer hat es zuerst gewusst? Die Österreicher! Und die Friedberger müssen wieder die Schachtel anpassen.

Mein Spiel des Monats – April 2016

Es gibt echt nicht viele gute 2 Personenspiele die wirklich gut sind und in diesem Jahr ist das vermutlich kein anderes im selben Maße wie dieses Highlight.

Mein Preisträger im April ist 7 Wonders Duell

 

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Selbst nach 20 Spielen ist da noch was zu entdecken. Der Wunsch mit den verschiedensten Wundern zu gewinnen, den Gegner mit Militär zu überrennen oder einfach nur seine Pläne zu lesen und zu durchkreuzen. In diesem Spiel ist einiges drin und so schnell auch nicht zu ergründen.

Um so schöner zu sehen das bevor das Thema kalt wird, schon eine Erweiterung in der Mache ist. Und damit meine ich keine Erweiterung die nur ein paar neue Wunder beinhaltet oder neue Plättchen. Nein es kommen komplett neue Elemente rein wie Götter. So schnell wird dieses Spiel also nicht verschwinden. Zum Glück.

Und hier der Link zum Originalartikel