Von Experten und Betonpfeilern

Ich war in Cannes und hatte etwas Zeit um auch zu spielen. Und das machte ich und spielte meine erste Partie Elysium mit drei Franzosen deren Englisch in etwa so gut ist wie mein Französisch, etwa 3 Worte. Aber Spielen verbindet und genau das tat es auch hier. Und nach dem Spiel rauchte mein Kopf. Die Eindrücke dieser ersten Partie zusammenzufassen sind fast unmöglich und dennoch probierte ich es und das auch noch auf Twitter. Und schrieb deutlich, das es für mich über dem Kennerspiel liegt. Als ich es dann hatte und es hier auf den Tisch kam, sagten danach auch drei Spieler, das sie jetzt etwas leichtes spielen wollen, obwohl sie mit Madeira kein Problem hatten. Diese Worte werden dem Spiel vermutlich nicht gerecht, denn es stellt es als schwerer dar, als es in Wahrheit ist. Es kann dennoch gut aus dem Bauch gespielt werden und nicht jedes Element macht es unberechenbar. Aber es ist halt doch auch anspruchsvoll. So wie ich es liebe.

Aber wie das mit so selbsternannten Experten ist, wie die meisten Amateurjournalisten, zu denen ich mich auch zähle, sich natürlich genre nennen, hat jeder mehr Ahnung davon. Mal hat man mit allem Recht, mal mit nichts und dann mit gerade mal der Hälfte. Denn nun hat die Jury Elysium nominiert und Auf den Spuren von Marco Polo nicht. Natürlich kam gleich der Schrei nach den Spielen die manche vermisst haben, wie Die Alchemisten oder Five Tribes. Und auch der Ruf nach einem Preis für die harten Spiele wie von Christoph Post oder Heavy Cardboard lässt nicht länger auf sich warten. Aber was soll das an der Stelle bringen. Seinen eigenen Preis zu machen, kann jeder und ich würde das auch jedem anraten, der dies mit machen möchte, aber die Jury hat nichts davon die Expertenspiele getrennt aufzuzeigen, vor allem wenn es der Zielgruppe nichts nützt. Und die Zielgruppe ist nicht die der Häufigspieler, die den Umstand hier monieren. Und ist nicht der Deutsche Spielepreis eh schon der Preis wo jeder seine Meinung kund tun kann?

Die Jury selber hat dabei diesmal sehr deutlich gezeigt das sie schwere Spiele mögen. Sie tat dies sogar mit deutlichen Worten und Plusen. Die Jury packt hinter jedes Spiel eine Liste von 1 bis 4 + um Anzudeuten wie schwer der Einstieg fällt. Auf den Spuren von Marco Polo ist dabei mit ++++ bewertet worden. Elysium nur mit +++. Dies sagt nichts dazu aus, was die Jury für Heavy empfindet. Ein anderes Beispiel war vor zwei Jahren, als Escape von Queen Games in der roten Kategorie war mit +++ und Die Legenden von Andor in der Kennergruppe mit ++. Die Einführungsabenteueranleitung macht das Spiel viel zugänglicher, aber wir sind uns sicher alle einig, dass das Spiel deutlich schwerer ist, als Escape.

Die Jury hat hier ein deutliches Zeichen gesetzt. Ob es Absicht war oder nur aus Versehen so interpretiert werden darf ist für jeden offen. Jedoch sa gen sie das auch Schwergewichte wie Elysium ein Chance haben auf den Preis. Voraussetzung ist aber, das der Einstieg einfach genug ist. Während ich den Einstieg in Russian Railraods deutlich einfacher fand als in Marco Polo, widersprachen mir die meisten auf Twitter. Ich bin mir nicht sicher wie viel dieser Erfahrung einzig auf dem Regellesen betraf, und nicht dem erklärt bekommen, aber ich ich finde die Anleitung von RRR immer noch eine der besten die es je für ein Schwergewicht gab. Dennoch war sie noch nicht gut genug für eine Nominierung. Elysium scheint das Problem gelöst zu haben oder zumindest gibt es deutlich weniger Stellschrauben an denen gefeilt werden musste um das zu lösen. Dieses Zeichen ist aber gerade ein Wink mit dem Zaunpfahl, oder besser dem ganzen Lattenzaun, oder – wenn man so zwischen den Zeilen lesen will wie ich – einem riesigen Betonpfeiler, doch endlich richtig gute Anleitungen zu machen. Denn das ist das einzige was auch ein Schwergewicht davon abhält den Preis zu gewinnen. Oder zumindest Nominiert zu werden.

Die Jury weiß um die besten Spiele und auch eine Empfehlung ist es Wert genannt zu werden. Wenn es nicht reicht, dann nicht unbedingt, weil das Spiel schlecht ist, sondern weil vielleicht nur die Anleitung oder das Material oder ähnliches es davon abhalten. Für mich wäre das Problem mit den braunen Scheiben für das grüne Holz das überall abgebildet ist, der Grund Deus nicht zu empfehlen, aber da bin ich auch die Ausnahme oder es war das Auge das die Jury zudrücken wollte. Und wer Extraregeln für jede Kleinigkeit toll findet, der darf diese auch weiterhin Spielen, wird aber vermutlich nie den Pöppel gewinnen, und wird vielleicht mal erkennen, dass er nicht Zielgruppe ist. Aber ein Empfehlung kann drin sein. Denn die guten Expertenspiele werden von der Jury anerkannt. Terra Mystica war ja auch empfohlen.

By |2015-06-27T16:45:25+00:0019. Mai 2015|Darkpact|3 Comments

3 Comments

  1. Thygra 5. Juni 2015 at 11:05 - Reply

    Deine Schlussfolgerung, die Anleitung von RRR wäre nicht gut genug für eine Nominierung gewesen, teile ich nicht. Auch eine bestmögliche Anleitung kann nicht automatisch dafür sorgen, dass die Zugänglichkeit eines Spiels so niedrig wird, dass es für eine Nominierung reicht, wenn das Spiel dann eben immer noch eine hohe Einstiegshürde hat. Eine sehr gute Anleitung kann und soll die Einstiegshürde senken, aber dies ist nicht nach unten offen. Irgendwann geht es nun mal nicht mehr tiefer.

  2. Kasey 1. Februar 2017 at 13:42 - Reply

    US

  3. Whip Cream Pie On Face Prank 1. Oktober 2018 at 8:46 - Reply

    KG

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